Die Argumente der Waffengegner


Waffengegner werfen gerne mit Argumenten gegen den Besitz und Gebrauch von Schusswaffen um sich. Waffenbefürworter versuchen stets zu kontern. Deshalb habe ich mir mal Gedanken gemacht, wie man beliebte Kontra-Argumente entkräften kann, ohne beleidigend zu werden. Denn erhebt man die Stimme, wird das von der Gegenseite automatisch als Bestätigung für ihre Argumente verstanden.

Waffen wurden als Mordwerkzeuge geschaffen.

Das kann man nicht leugnen. Sie wurden aber vor Allem dazu geschaffen, sich gegen andere bewaffnete Aggressoren zur Wehr zu setzen. Der Sport entwickelte sich zwangsläufig. Der Mensch hat einen Hang dazu, seine Fertigkeiten in jedweder Anwendung stetig zu verbessern und sich dabei mit anderen zu messen. Vom Wettrennen über Wettessen bis halt zum Wettschiessen.

Wenn man nur ein Leben retten kann, hat sich ein Verbot gelohnt.

Ein gerne gebrauchtes Argument, nicht nur in Bezug auf Waffen. Nur kann man das sehr schnell weiterziehen: Verböte man jedwede Tätigkeit oder Gegenstände, die Menschenleben gefordert haben, so dürften wir uns nicht mal mehr in Watte einpacken. Denn wenn nur ein Leben durch Verbot von Waffebäuschchen gerettet werden kann, weil niemand mehr daran erstickt, so hat es sich doch gelohnt, nicht? Dieser „Logik“ wird wiederum entgegengesetzt, dass Wattebäuschchen ja nicht primär dazu erfunden wurden, um Leben zu beenden, wie es Schusswaffen tun. Das mag stimmen, zumindest für Wattebäuschchen. Aber: In der heutigen Zeit werden Schusswaffen genutzt, um sich gegen andere mit Schusswaffen ausgerüsteten Aggressoren zu verteidigen. Eskalationen wie Paris, Orlando und andere Attentate lassen sich nur schwer mit anderen Mitteln verhindern, beziehungsweise beenden.
Und Waffen werden sportlich genutzt. Selbstverständlich. Denn es ist nicht so einfach wie in CSI, irgendwas zu treffen, das mehrere Meter entfernt ist.

Wäre Waffentragen erlaubt, die Leute würden bei jeder Gelegenheit die Waffe zücken.

Generalisierung ist ein Instrument, dessen sich wohl gerne bedient wird. Es ist absolut legal, ein Bowiemesser mit sich zu tragen. Deswegen liest man nicht tagtäglich von Messerstechereien aufgrund von weggeschnappten Parkplätzen. Nein, die Schweizer Bevölkerung besteht nicht aus knapp vor dem Überkochen stehender Mordmaschinen. Es ist sogar davon auszugehen, dass viele nicht mal in gerechtfertigten Situationen die Waffe ziehen würden. Ausserdem: Kein Waffenbesitzer würde wollen, dass Hinz und Kunz sich eine Waffe in die Hose stecken (wie in den USA teilweise). Ich persönlich würde strenge Kurse und Prüfungen auch befürworten; Wer eine Waffe tragen will, muss damit umgehen können.

Soundsoviele Schusswaffentote pro Jahr

Auf dieses Argument gehe ich im nächsten Punkt ein, zumal Schusswaffentote und Schusswaffensuizide gern vermischt werden.

Selbstmord ist mit laschen Gesetzen einfacher, und wird daher unüberlegter praktiziert

Gemäss dem Bundesamt für Statistik BFS nahmen sich 2014 754 Männer und 274 Frauen das Leben. Total also 1028 Personen.
Von diesen 1028 Personen haben sich 138 vergiftet, 302 erhängt, 187 erschossen und 401 wählten alternative Methoden.
Dabei erschossen sich deutlich mehr Männer (182) als Frauen (5).
Vom Alter her nahmen die Schusswaffensuizide ab 50 Jahren sprunghaft zu.
Dies für 2014. Ein beliebtes Argument ist, dass seit den strengeren Waffengesetzten diese Suizidrate vermindert wurde. Schauen wir uns das an. Das BFS hat sämtliche Suizizahlen von 1995-2014 in einer Tabelle zu Verfügung gestellt.

Schusswaffensuizide
1995: 392
1996: 397
1997: 358
1998: 413
Einführung neues Waffengesetz
1999: 346
2000: 351
2001: 349
2002: 351
2003: 300
2004: 271
2005: 262
2006: 259
2007: 264
Revision Waffengesetz
2008: 239
2009: 253
Revision Waffengesetz
2010: 222
2011: 210
2012: 205
2013: 222
2014: 187
„Übrige“ Schusswaffentote
1995: 44
1996: 57
1997: 76
1998: 53
Einführung neues Waffengesetz
1999: 46
2000: 36
2001: 59
2002: 46
2003: 39
2004: 47
2005: 37
2006: 26
2007: 27
Revision Waffengesetz
2008: 20
2009: 24
Revision Waffengesetz
2010: 19
2011: 29
2012: 17
2013: 26
2014: 8
Was kann man daraus ableiten?
Erstens, die Selbstmordrate ist um ein Vielfaches höher als die übrigen Schusswaffentoten. Zweitens, die Todeszahlen nehmen plusminus kontinuierlich ab, mit gelegentlichen Ausschlägen nach oben. Beide Zahlen scheinen aber nicht vom Waffengesetz beeinflusst worden zu sein, zumindest nicht nachhaltig. So nahmen zwar die Schusswaffentoten nach der Einführung des aktuellen Waffengesetzes von 1999 ab, nur um dann im Jahre 2001 den Wert von 1998 zu überflügeln.

Quellen: BFS
BFS: Sterblichkeit, Todesursachen
BFS: Spezifische Todesursachen
BFS: Suizidmethoden, nach Altersgruppen und Geschlecht
BFS: Suizidmethoden, Entwicklung
BFS: Schusswaffentodesfälle

Dazu – es mag zwar makaber erscheinen – aber wenn man sich im Dignitas-Forum die Sparte mit den Erfahrungen zu Suizidmethoden durchschaut, werden Schusswaffen praktisch nicht erwähnt.

Das Obligatorische ist eh ein alter Zopf.

Das Obligatorische, also die jährliche Schiesspflicht eines jeden Angehörigen der Armee, ist dazu gedacht, die Schiessfertigkeit auch nach dem Dienst zu erhalten. Warum das genau altbacken ist und deshalb abgeschafft gehört, ist mir schleierhaft. Wenn, dann müsste das Obligatorische ausgeweitet werden. Denn die paar Schuss im jahr sind in der Tat zu wenig.

Bei der Gelegenheit, Militär abschaffen.

Länder ohne Armee:
Andorra
Wird von der Spanischen und/oder der Französischen Armee beschützt.
Costa Rica
Wird von der Amerikanischen Armee beschützt.
Dominica
Wird von der Amerikanischen und/oder Kanadischen Armee beschützt.
Grenada
Wird von der Amerikanischen und/oder Kanadischen Armee beschützt.
Island
Wird von der Amerikanischen Armee und/oder NATO beschützt.
Kiribati
Kleiner Inselhaufen inmitten des Pazifik. Ist strategisch wertvoll und darf wohl auf die USA hoffen.
Liechtenstein
Wird immer von allen vergessen. Zwar existiert keine Regelung, wird aber wohl im Fall der Fälle von der Schweiz geschützt.
Marshall Inseln
Wird von der Amerikanischen Armee beschützt.
Mauritius
Kleines Land irgendwo rechts von Afrika. Hat Küstenwache und Spezialeinheiten.
Mikronesien
Wird von der Amerikanischen Armee beschützt
Monaco
Wird von der Französischen Armee beschützt.
Nauru
Wird von der Australischen Armee beschützt.
Palau
Wird von der Amerikanischen Armee beschützt
Panama
„Einige Einheiten der Polizei eignen sich begrenzt zur Kriegsführung“
Salomonen
Hat schon militärische Intervention durch Australien erfahren.
Samoa
Wird von der Neuseeländischen Armee beschützt.
San Marino
Wird von der Italienischen Armee beschützt.
St Lucia
Wird von der Amerikanischen und/oder Kanadischen Armee beschützt.
St Vincent und die Grenadinen
Wird von der Amerikanischen und/oder Kanadischen Armee beschützt.
Tuvalu
Hat eine Seeüberwachungseinheit… und liegt irgendwo im Pazifik.
Vanuatu
Hat eine Spezialeinheit… und liegt ebenfalls irgendwo im Pazifik.
Vatikan
Wird durch die Italienische Armee beschützt.
Und Schweden führt gerade die Wehrpflicht wieder ein.

Ohne Armee sein kann man machen… wenn man auf eine Schutzmacht zählen kann oder eine solche geographische Lage hat, dass man nur schon zehn Minuten auf der Weltkarte suchen muss.

Eine reine Berufsarmee, wie sich dies einige Wünschen, ist in der Schweiz wohl kaum ausreichend. Gerade weil wir eine Milizarmee haben, konnten wir bis dato überleben. Eine top ausgebildete Berufsarmee, die einem weniger gut ausgebildeten und ausgerüsteten, jedoch zahlenmässig weit überlegenen Gegner gegenüber gestellt wird, wird sich die Zähne ausbeissen. Ansonsten wären die Kriege in Afrika, dem nahen Osten und früher auch Russland und im Balkan innert Tagen vorüber.

Schiessen ist doch kein Sport.

Also… das muss jemand der Heidi erklären. Und den ganzen anderen Olympioniken. Und den Biatlethen. Und den CISM-Spitzensportler.
Schiessen ist weniger Sport im Sinne von körperlicher Ertüchtigung, sondern schlägt eher in die Kerbe von Schach. Konzentration ist das A und O. Konzentration, Bewusstsein über die Abläufe, Beobachtungsgabe, Anpassung an viele verschiedene Umstände, Körperbeherrschung, Atmung… all dies spielt eine wesentliche Rolle, ob der Schuss jetzt in der Neun oder in der Zehn gelandet ist. Und: Wer eine Pistole teilweise Minutenlang ruhig vor sich halten will, sollte doch auch an seiner körperlichen Ertüchtigung arbeiten.
Doch, Schiessen ist Sport.

Und wer nur zum Spass schiesst, hat eh einen an der Klatsche.

Dies hier ist ein Argument, dass, simpel gesagt, nur von Ignoranz gegenüber Andersdenkenden entstammt. „Jeder der sein Auto tunt ist doch kirre“, oder „Wer springt schon freiwillig aus einem Flugzeug, spinnen die“, und so weiter und so fort.

Es würden nur noch Rambos herumlaufen, wäre Waffentragen erlaubt

Tatsächlich würden nur Leute herumlaufen, die mit der Schusswaffe auch umgehen können. Rambo konnte es, übrigens, und er tat es auch nur wenn es absolut nötig war. Man erinnere sich, in Rambo: First Blood wollte er einfach nur in Ruhe gelassen werden aber ich schweife ab.

In Amerika gibt es sehr viele Schusswaffentote wegen Legalwaffenbesitz.

In Amerika gibts auch Strassengangs, die wenig zimperlich sind. Ironischerweise gibt es in Chicago, die Stadt mit den strengsten Waffengesetzten, am meisten Schusswaffentote – Kriminellen ist das Gesetz leider egal. In Tschechien ist das Waffentragen unter Auflagen legal. Über welches Land man jetzt mehr liest, darf jede selber herausfinden.
Tatsächlich kennen auch die USA Lizenzen, was das führen von Waffen angeht (zumindest in einigen Staaten). Diese können aber auch von dubiosen Anbietern erteilt werden. Amerika ist absolut nicht zu vergleichen mit Europa, oder gar der Schweiz.
N24 hat letztens eine Reportage über illegale Waffenhändler gebracht. Einer dieser Kerle, in Kalifornien operierend, sagte sinngemäss: Weil Kalifornien alles verbietet, kommen die Leute halt zu mir. Ihn freuts. Die Bürger nicht.

Vollautomatische Waffen sind Terroristenwaffen.

Das Argument scheint irgendwie unvollständig. Terroristen bedienen sich gerne vollautomatischer Waffen… weil diese relativ einfach zu beziehen sind.
Für Zivilpersonen unterstehen sie strengen Ausnahmebewilligungen und Kontrollbesuchen. Das legal Schiessen ist mit so viel Bürokratie verbunden, dass sich eine vollautomatische Waffe praktisch nur für Sammler eignet.

In Paris haben sie auch mit Halbautomaten geschossen.

Ja – wiederum mit illegalen Halbautomaten. Nach Europa geschmuggelt über den Balkan, wo eine AK soviel kostet wie bei uns ein Restaurantbesuch. Kein potentieller Attentäter wird sich legal eine Waffe besorgen, wenn es illegal viel einfacher und günstiger geht.

Ein Verbot von Halbautomaten (AK/AR-Derivaten) sollte die Sportschützen nicht stören, sie haben ja Sportgewehre.

Dreimal so viele Ordonnanzschützen als Sportschützen besuchten das Tessiner Kantonalschützenfest 2016. Der Anteil derer, die mit den Militärgewehren schiessen, ist immernoch sehr viel grösser als der Teil, der Standard-/Freigewehr schiesst. Ein Verbot stört demnach etwa drei Viertel der Schützen.
Ja, die Schweiz will ihren „Sonderpassus“ fürs Sturmgewehr durchbringen, damit das Stgw90 als AK-Derivat trotzdem erlaubt bleibt. Das ist reine Salamitaktik.

Armeewaffen können illegal verkauft werden.

Hier muss ich etwas aufbrausen: Dieses Argument stammt von Chantal Galladé, welche auch gerne Suizide zu den Schusswaffentoten zählt. Sie geht nun hier davon aus, dass der Schweizer Bürger, der nach absolviertem Wehrdienst freiwillig Bürokratie auf sich und Geld in die Hand nimmt, um sein Armeegewehr zu behalten, nur um es dann auf dem Schwarzmarkt an dubiose Gestalten zu verschachern.
Jenes Gewehr, dessen Seriennummer auf ihn registriert ist.
Mir scheint, als würde der Schweizer Waffenfreund gerne als unzurechnungsfähig bishin zu vollkommen idiotisch dargestellt werden.

Medizinische Tests, Bedürfnisabklärungen und psychologische Gutachten sind doch eine gute Sache, wie kann man dagegen sein?

Medizin: Weil es in Willkür endet. Wer legt die Regeln fest? Darf ein altersschwacher Mensch nicht seinem letzten bleibenden Hobby nachgehen, nur weil er Mühe beim Gehen hat? Wird dem Rollstuhlfahrer das Schiessen untersagt? Ist man faktisch blind auf einem Auge, zielt aber eh mit den anderen? Wie sind die Intervalle zwischen den Checks? Wie teuer sind sie, wer ist befugt sie durchzuführen? Wenn man einen schlechten Tag beim Check hat und mit Grippe aufkreuzt, wie wird das gehandhabt?
Bedürfnis: Weil es eine enorme Einschränkung ist. Deutschland kennt das Bedürfnisprinzip. Und wer sich mit dem dortigen Waffengesetz auseinandersetzt, dem wird schwindlig ob der vielen Stolperfallen, Ungereimtheiten, Unklarheiten, Widersprüchen und faktischen Schikanen. Zudem ist es eine teure Angelegenheit und verbraucht enorm personelle Ressourcen, die beileibe andernorts besser eingesetzt wären.
Psychologie: Ist man psychisch nicht beisammen, darf man bereits heute keine Waffe besitzen.

Waffen fördern doch nur die Gewalt.

Wann hat man das letzte Mal von Ausschreitungen, Randalen, Exzessen an einem Schützenfest gehört? Das sind mit die friedlichsten Veranstaltungen überhaupt. Von Gewalt keine Spur, im Gegenteil.
…und bei so viel unbedarften Anti-Waffen-Argumenten MUSS das jetzt sein:
Man Versuche, in einem Kriesengebiet mittels Dialog zu überleben.

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