Import einer Waffe aus dem Ausland in die Schweiz am Beispiel Deutschland


Vorwort

Normalerweise dürfte der geneigte Schweizer Waffenfreund alles was das Herz begehrt am Schweizer Markt finden (zumindest noch). Importieren? Aufwändig, dauert ewigs, Papierkrieg, lohnt sich nicht… aber ist dem auch tatsächlich so? Wie aufwändig ist der Import tatsächlich? Und wann lohnt sich das ganze Spiel?

Da meine Verlobte unbedingt einen Mauser K98 haben wollte und wir durch unseren Wohnsitz in der Grenzregion auch Kontakte zu Deutschen Schützen haben, fand sie auch recht schnell ein gutes Angebot. Jetzt galt es nur noch, das Teil in die Schweiz zu schaffen. Ein Werk in drei Akten.

Prolog: Vorbereitungen und Tipps

Bevor man daran denkt, eine Waffe (oder Bestandteile davon) als Privatperson aus dem Auland in die Schweiz zu importieren muss man natürlich erstmal analysieren, ob sich das auch lohnt. Sollte das Angebot aus dem grossen Kanton nur unwesentlich günstiger sein, als ein gleichwertiges aus der Schweiz, so kann man theoretisch auf einen Import verzichten. Man muss sich vor Augen halten, dass der Bürokram seine Zeit dauert. Bis alle Dokumente von allen involvierten Parteien beisammen sind und es zur Übergabe kommen kann, können Wochen, wenn nicht Monate vergehen. Der finanzielle Aspekt ist eher sekundär, die Zollgebühren ab bestimmten Beträgen aber auch nicht zu vernachlässigen. Die Zollfreimenge von 300 CHF gilt auch hier.

Desweiteren sollte man sich im Vornherein erkunden, was es alles benötigt. Weiss der Veräusserer, was er seinerseits zu erledigen hat? Hat man in der Schweiz einen Büchsenmacher und/oder Inhaber einer Waffenhandelsbewilligung, der die Anbringung der Importmarkierung vornehmen kann? Wo ist der beste Treffpunkt für die Übergabe? Und so weiter und so fort.

Ich habe die Originaldokumente hier hochgeladen zur Veranschaulichung, aber nachvollziehbarerewise alles geschwärzt, was auf die involvierten Personen hindeutet. Das ist ziemlich viel und schaut stellenweise aus wie bei den Dokumenten der SCP Foundation, aber anders gehts halt nicht.

Akt I: Behördenkram Schweiz

Die Schweiz gibt sich erstaunlich weniger bürokratisch als befürchtet, aber dennoch nicht ohne gewisse unsinnig scheinende Regeln. Am Anfang steht der Auszug aus dem Zentralstrafregister. Um 20 CHF am Postschalter erleichtert, landet das Papier bereits wenige Tage später im Briefkasten. Nicht verzeichnet, sehr gut, weiter gehts.
Alsdann der Waffenerwerbsschein. Dieser wird ganz normal ausgefüllt und zusammen mit dem Strafregisterauszug an die kantonale Polizeibehörde geschickt, um dann wiederum wenige Tage später wieder retourniert zu werden (die kennen uns langsam).

Nun muss der eigentliche Einfuhrantrag bearbeitet werden. Dazu fülle man das Formular Gesuch um Erteilung einer Bewilligung zum nichtgewerbsmässigen Verbringen von Waffen mehr oder weniger wie den WES aus. Der einzige Unterschied liegt darin, dass die zur Einfuhr vorgesehene Waffe genau beschrieben wird, mit der Art (Büchse), Hersteller (Mauser), Modell (K-98), Kaliber (8x57IS) und der Seriennummer (1234).

Dieses Formular muss dann zusammen mit noch einem Strafregisterauszug und einer Ausweiskopie und dem WES an das Bundesamt für Polizei nach Bern gesandt werden.

Dort ist man dann der Arbeitsmoral des jeweiligen Sachbearbeiters ausgesetzt und kann entsprechend schon eine gute Woche auf die Papiere warten. Findet man dann schlussendlich einen Umschlag von Bundesbern im Briefkasten, darf man sich über folgende Blätter freuen:

  • Waffenerwerbsschein Kopie B für Erwerber
    Das Original und die Kopie A bleiben beim fedpol, da es quasi als Verkäufer wirkt, siehe dazu auch den Stempel auf dem WES. Kopie B ist für unsere Akten und Kopie C ging von Bundesbern an die Schaffhauser Polizei
  • Meldung Importmarkierung zur Bewilligung Nr. 1234456789
    Ist die Waffe in Schweizer Hand, muss sie mit einer Importmarkierung, bzw. -nummer verschandelt versehen werden. Dies hat zwingend bei einem Inhaber einer Waffenhandelsbewilligung zu erfolgen. Man tut also gut daran, seinen Büchsenmacher des Vertrauens vorher einzuweihen. Dieser muss dann auch die Importmarkierung auf dem Zettel eintragen. ZU dem Ganzen hat man nach Einfuhr 30 Tage zeit.
  • Ausgefüllte Bewilligung zum nichtgewerbsmässigen Verbringen von Waffen
    Das goldene Ticket, dass befähigt, eine Waffe auch erfolgreich undlegal über den Zoll zu bringen. Vorne sind die Daten des Erwerbers und des Veräusserers sowie des corpus delicti. Rückseitig befindet sich die Löschung der Waffe. Damit ist der Übergang in die Schweiz gemeint; Die Waffe wird am Zoll von den Schweizern “gelöscht” und der Zettel wiederum an Bern geschickt.

Damit wäre der Behördenspass auf Seiten Schweiz erst einmal erledigt.

Akt II: Behördenkram Deutschland

Der Kollege im grossen Kanton muss seinerseits die Ausfuhr seiner Waffe genehmigen lassen. Wegen der speziellen Situation der Schweiz ist eine Verbringung hierhin nicht erlaubnis- sondern nur bewilligungspflichtig. In etwa ist es der Selbe Formularkrieg wie hierzulande, nur andere Behörden und Formulare. Im Prinzip stellt der Veräusserer den Antrag auf Ausfuhr, und die zuständige Behörde erteilt diese.

Allerdings will die Deutsche Behörde erst sehen, dass der Erwerber auch berechtigt ist, die Waffe einführen und besitzen zu dürfen. Daher rücken die Deutschen erst mit der Ausfuhrbewilligung heraus, wenn seitens Schweiz die Einfuhrbewilligung bereits erteilt wurde. Man kann wohl froh sein, wollen die Schweizer keine Ausfuhrgenehmigung sehen, bevor sie die Einfuhrgenehmigung erteilen…

Dafür ist der Papierkrieg auch weniger.

Akt III: Die Übergabe

Aufgrund einiger Gesetzesartikel der Schweiz und Deutschland muss die Übergabe persönlich an einem ständig besetzten Zoll erfolgen. Also fällt der “Provinzzoll” ins Wasser, und beide Parteien müssen sich am Zoll treffen. Wichtig ist, dass der Veräusserer und Eigentürmer der Waffe stets dabei ist, damit die Waffe nicht “unbefungten Dritten” überlassen wird.

Am Zoll angekommen sollte man die Waffe erst mal im Auto lassen und selbiges entweder vor der Schweizer Seite oder im Zollgebiet parkieren. Sodann gehts erstmal zu den Deutschen Beamten.
Die haben etwas in den Papieren gekramt und uns dann fragend angesehen, was wir genau wollten. Jedenfalls unternahm die Deutsche Seite nichts weiter und wir gingen halt zu den Schweizern.

Diese kramten ebenfalls in den Papieren, füllten die Löschung aus, Stempel auf den Kaufvertrag und das wars. Die Waffe selbst wollte niemand sehen. Laut Aussage vom Zöllner deshalb, weil alle Papiere komplett und korrekt vorhanden waren.

Papiere eingepackt, ab ins Auto und den Mauser wurde offiziell und legal zum Schweizer. Die Importmarkierung muss stand Erscheinen des Artikels noch angebracht werden, das liegt aber noch in der 30-Tage-Frist.

Epilog: Kosten und Erkenntnisse

  • Das ganze ist wesentlich unkomplizierter, als man sich das vorstellt. Auch der eigentliche Import am Zoll ist in fünf Minuten erledigt. Die Fahrt zu einem Hauptzollamt ist das mühsamste, zusammen mit dem Warten auf die Dokumente.
  • Es lohnt sich, mehr Papiere als nötig dabei zu haben. Ein sauber aufgesetzter Kaufvertrag ist ein riesiges Plus, ebenso wenn der Deutsche Veräusserer seine Waffenbesitzkarte vorlegen kann. Ein EU-Feuerwaffenpass ist irrelevant, auch wenn der Deutsche Zoll danach gefragt hat.
  • Die Zollfreigrenze von 300 CHF gilt auch hier, und der Europreis wird erst umgerechnet.
  • Den Zoll im Vornherein “vorwarnen” ist eine gute Sache.
  • Die Waffe wurde zwar von keinem der Zollämter begutachtet, aber sie muss auf Verlangen vorweisbar sein.
  • Einen Büchsenmacher und/oder Inhaber einer Waffenhandelsbewilligung an seiner Seite zu wissen ist wichtig. Vor Allem für die Importmarkierung.

Kosten:
Auszug aus dem Strafregister (2x): 40 CHF
Waffenerwerbsschein: 50 CHF
Gebühren für die Verbringung: 50 CHF / 44 €

Links

Schweiz: Bundesamt für Polizei fedpol: Waffen
Schweiz: Bundesamt für Polizei fedpol: Formular Gesuch um Erteilung einer Bewilligung zum nichtgewerbsmässigen Verbringen von Waffen, wesentlichen Waffenbestandeteilen, Munition oder Munitionsbestandteilen in das schweizerische Staatsgebiet (Art.
25 Abs. 1 WG und 39 Abs. 1 WV)

Bundesamt für Polizei fedpol: Einfuhr von Waffen
Zoll Deutschland: Verbringen und Mitnahme von Waffen und Munition nach dem Waffengesetz
Zoll Deutschland: Ausfuhr von Feuerwaffen und Munition nach der Verordnung (EU) Nr. 258/2012
Deutschland: Waffenrechtlich zuständige Behörden
Deutschland: Waffengesetz
Deutschland: VERORDNUNG (EU) Nr. 258/2012 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 14. März 2012 zur Umsetzung des Artikels 10 des Protokolls der Vereinten Nationen gegen die unerlaubte Herstellung von Schusswaffen, dazugehörigen Teilen und Komponenten und Munition und gegen den unerlaubten Handel damit, in Ergänzung des Übereinkommens der Vereinten Nationen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität (VN-Feuerwaffenprotokoll) und zur Einführung von Ausfuhrgenehmigungen für Feuerwaffen, deren Teile, Komponenten und Munition sowie von Maßnahmen betreffend deren Einfuhr und Durchfuhr

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