Irisblende, Farbfilter & Polarisation


Um das Auge und somit den Schützen beim Schiessen etwas zu unterstützen, greifen viele Schützen zu Irisblenden, Farb- und Polarisationsfiltern. Oft hört man auch angeregte Diskussionen mit, wo sich gestritten wird, ob denn jetzt Hellgrün oder Dunkelgrün die bessere Wahl sei. Oder man beobachtet, wie angestrengt an der Irisblende (oder dem Irisringkorntunnel) geschraubt wird.

Aber, wozu? Was nützt das Zeug, wie funktioniert es überhaupt und brauchts das wirklich? Glücklicherweise kann man bei Erklärungen sehr oft auf die Fotografie zurückgreifen, da sich die Prinzipien fast 1:1 übernehmen lassen können. Die Texte hier sind so einfach wie möglich gehalten. Am Ende des Artikels sind weiterführende Links aufgelistet, damit Interessierte sich detaillierter einlesen können.

Und: Da jeder auf etwas anderes schwört und für den einen bei grellem Licht die Farbe Gelb das Mass aller Dinge, für den anderen aber pures Gift ist, sind die Empfehlungen hier als reiner Anhaltspunkt zu verstehen.

Irisblende

Die Irisblende ist das kleine schwarze Ding, das beim Sturmgewehr 90 ins Diopter geklemmt wird. Beim 57er kann man, wenn man denn möchte, eine Irisblende in die Originalvisierung einschrauben, bei Standard- und Freigewehren ins Diopter. Es gibt sie auch als Einsatz für die Schiessbrille!
Ihre Aufgabe ist eigentlich recht simpel: Sie reguliert, wie viel Licht zum Auge des Schützen gelangt. Und das Funktioniert so:

Quelle: https://wiki.univie.ac.at/display/filex/Irisblende

Rund um die Blendenöffnung sitzt eine Reihe Lamellen, die eigentliche Irisblende. Über eine Achsmechanik können diese Lamellen nun in die Blendenöffnung herein- oder aus ihr herausgedreht werden. Dies bewirkt, dass die Blendenöffnung grösser oder kleiner ausfällt. Je grösser die Öffnung, desto mehr Licht kommt hindurch und umgekehrt. Dies hat nun einen direkten Einfluss auf die Tiefenschärfenwahrnehmung des Auges. Bei nachfolgendem GIF sieht man schön, wie das Korn erst im Licht ertrinkt und, je kleiner die Blendenöffnung wird, plötzlich schärfer erscheint.

Eine Irisblende ist also nützlich, um schlechte Lichtverhältnise etwas zu korrigieren. Aber Achtung: Ist die Blendenöffnung zu klein, ergibt sich eine kontraproduktive Situation, denn dann kann das Auge den Korntunnel nicht mehr konzentrisch in Übereinstimmung mit dem Diopterloch bringen.

Das Angebot von Irisblenden reicht von der einfachen Blende bis zum Monstrum mit integrierten Farbfiltern und Polarisation. Die 90er-Schützen dürfen aus einer Handvoll Blenden gemäss Hilfsmittelverzeichnis auswählen, wohingegen die Fraktionen 57, Karabiner, Standard- und Freigewehr aus allen im Handel erhältlichen Blenden ihren Favorit montieren dürfen.

Farbfilter

Farbfilter kennt man am ehesten von der Sonnenbrille her. Dunkelt schön ab und taucht die Welt in andere Farben. Das Prinzip am Gewehr ist das Selbe. Je nach Licht- und Wetterverhältnissen bietet sich eine andere Farbe an, die zwischen Schützenauge und Korn geschaltet wird. Welche Farbe hierbei passend ist, ist meistens recht subjektiv, obschon sich die Optikhersteller mehr oder minder einig sind. Es wird sich immer jemand finden, der mit dem absoluten Gegenteil des Empfohlenen besser zurecht kommt.

Funktionieren tut das Ganze, in dem der Farbfilter das Licht in der Wellenlänge der Eigenfarbe durchlässt, das andere aber eben filtert. So schimmert die Welt rot mit einem Rotfilter, da primär die Wellenlänge der roten Lichtwellen durchgelassen wird. Leider hält sich das Internet etwas zurück mit Informationen, welche Farben für welche Verhältnisse geeignet sind. Zudem ist auch zu bedenken, dass ein Golfer Lichtverhältnisse anders einstuft als ein Snowboarder, als Bespiel. Darum hier die Farbübersichten dreier Quellen, als Vergleich (übersetzt aus dem Englischen):

Framesdirect – Internationaler Online-Brillenhändler (Englisch)

Grün

  • Gut für allgemeine Tätigkiten
  • Bietet gleichmässige Farbwahrnehmung
  • Reduziert blendendes Licht und hellt Schatten auf
  • Guter Kontrast bei wenig licht

Braun/Bernsteinfarben

  • Gut bei wechselhaften Bedingungen
  • Erhöht Kontrast
  • Enthält ein Rotelement, welches die Tiefenwahrnehmung erhöht

Gelb

  • Bietet erhöhte Klarheit in Nebel, Dunst und anderen Bedingungen mit wenig Licht
  • Filtert blaues Licht von Computerbildschirmen und anderen elektronischen Geräten heraus, welche augenermüdend wirken und Kopfschmerzen bereiten

Blau/Violett

  • Trending und ästhetisch
  • Vermindert blendendes Licht
  • Hilft, Konturen zu definieren
  • Erhöht Farbwahrnehmung

Grau/Schwarz

  • Gut für allgemeine Tätigkiten
  • Reduziert Augenermüdung
  • Bietet echte Farbwahrnehmung
  • Reduziert blendendes Licht, vor Allem von Wasser
  • Grösste Abdunkelung bei höchstmöglicher Farbreduktion

Pink/Rot

  • Erhöht Tiefenwahrnehmung
  • Reduziert Augenermüdung
  • Bietet gute Strassensicht
  • Bietet grösstmöglichen Kontrast
All about Vision – Internationale Website über Optik und Augen (Englisch)

Gelb/Orange

  • Erhöht Kontrast bei bewölkten, dunstig/nebeligen Bedingungen mit wenig Licht. Filtert blaues Licht für schärferen Fokus.

Bernstein/Rosa/Rot

  • Erhöht Kontrast in wenig bewölkten/sonnigen Bedingungen, aber führt zu ungleicher Farbwahrnehmung

Dunkles Bernstein/Kupfer/Braun

  • Blockt viel blaues Licht, um den Kontrast und Klarheit zu erhöhen. Sehr nützlich. um den Kontrast zwischen Gras und blauem Himmel zu erhöhen.

Grün

  • Erhöht Kontrast (ein Wenig) während gelichmässiger und -bleibender Farbwahrnehmung

Grau

  • Reduziert allgemeine Helligkeit und erhält 100% normale Farbwahrnehmung

Cabelas – Amerikanische Händlerkette für Jagd-, Fischerei- Camping- und Outdoorbedarf (Englisch)

Rauchfarben/Grau/Grau-grün

  • Dies sind die meist verwendeten Farben. Sie sind effektiv darin, blendendes Licht zu blocken ohne die Farbwahrnehmung zu verändern, was sie zu einer guten Wahl für alle Wetterbedingungen macht. Grau ist eine neutrale, oder „echte“ Farbe, die es ermöglicht, alle Farben als das zu seen, was sie sind. Graue Schiesslinsen machen das Ziel nicht sichtbarer, sind aber gut in hellem Sonnenlicht.

Bernstein/Braun

  • Speziell geeignet, das balue licht zu blockieren, welches vielfach in diffusem Licht wie an einem bewölkten Tag zu finden ist. Bernstein kann den Kontrast sowie die Teifenwahrnehmung erhöen und ist allgemein eine gute Wahl fürs Schiessen und Jagen.

Gelb/Orange

  • Verbessern den Kontrast und vermitteln das Gefühl von erhöhter Sehleistung. Linsen in diesen Farben blocken Nebel/Dunst und blaues Licht und erhöhen die orange Farbe des Ziels. Je heller das Gelb der Linse, desto besser ist sie für Bedingungen mit wenig Licht geeignet.

Violett/Zinnoberrot

  • Erhöht das Orange des Ziels vor einem farbigen Hintergrund. Zinnoberrot selbst ist nützlich, ein Ziel vor einem mühsamen Hintergrund (wie etwa Bäumen und Sträuchern) hervorzuheben.

Man sieht also, dass sich die Aussagen der verschiedenen Quellen im Grundsatz ungefähr decken. Aber eben, man muss schon selbst herausfinden, welche Farbe in welchen Bedingungen für einen selbst am besten ist. Der Artikel über den Grünig & Elmiger 12-Farbfilter bietet Fotos, wie der Zielhang eines Schweizer Schiessstandes durch Farbfilter aussieht. ahg-Anschütz sagen es auf ihrer Homepage sehr treffend:

Teilweise handelt es sich bei den „richtigen“ Farben auch um persönliche Vorlieben und Augenreaktionen – man muß einfach mal ausprobieren, welche Farbe für welche Lichtverhältnisse am angenehmsten ist.

Farbfilter für die Gewehre gibts in vielerlei Form. Die 90er-Schützen haben mal wieder eine eingeschränkte Auswahl gemäss Hilfsmittelverzeichnis. Die anderen Schützen dürfen wiederum aus einer Vielzahl Angeboten wählen – vom reinen Farbfilter über die Kombination mit einer Irisblende und Polarisationsfilter.

Polarisationsfilter

Das Wort ist geläufig und mit ihm werben Brillenhersteller auch sehr gerne. Aber was ist ein Polarisationsfilter genau, wie funktioniert der und was macht er überhaupt?

Ohne Ausflüge in die Physik und ohne Formeln und Diagramme auszupacken: Ein Polarisationsfilter blockiert, bzw. schluckt bestimmte Lichtwellen, während dem er andere Lichtwellen durchgehen lässt. Dies kann man sich zu nutze machen, indem man den Polarisationsfilter dazu verwendet, unerwünschte Lichtreflexionen und -strahlen auszublenden oder zumindest zu minimieren. Besonders Reflexionen von nichtmetallischen Oberflächen können reduziert werden – von Wasser, Glas, oder eben einer Zielscheibe. Auch wird Grün verbessert und das Blau des Himmels dunkler, da der Polarisationsfilter gewisses Blaulicht schluckt. Der Kontrast von Gras- oder Blattgrün zum Himmelblau wird also verstärkt; Das Weiss der Zielscheibe hebt sich deutlicher von einem grasigen oder buschigen Hintergrund ab, der Himmel blendet weniger.

Es gibt zwei Arten von Polarisationsfiltern: Zirkulare und lineare. Beim Schiesssport kommen vor Allem zirkulare Polarisationsfilter zum Einsatz, die je nach Drehrichtung unterschiedliche Lichtwellen schlucken bzw. durchlassen.

Ein schönes Beispiel, was ein Polarisationsfilter alles ausmachen kann von pixolum.com:

Quelle: https://www.pixolum.com/blog/fotografie/polfilter-in-der-fotografie-effekte-und-anwendung

Ich plane, aufs Berner Kantonalschützenfest einen Polarisationsfilter fürs Stgw90 zu erwerben. Somit kann ich dann (hoffentlich) einige brauchbare Beispielbilder machen, wie sich der Polarisationsfilter im Schiesssport verhält.

Weiterführende Links

Schiesswesen ausser Dienst SAT, Hilfsmittelverzeichnis (ganz unten, Reiter „Recht“, nochmals ganz unten)
Grünig & Elmiger, Schweizer Hersteller von Schiesssportzubehör
Wyss Waffen, Schweizer Büchsenmacherei und Hersteller von Schiesssportzubehör
Gehmann, Deutscher Hersteller von Schiesssportzubehör
centra Feinwerktechnik, Deutscher Hersteller von Schiesssportzubehör
ahg-Anschütz, Deutscher Hersteller von Schiesssportzubehör
Wikipedia, Polarisation
Wikipedia, Polarisationsfilter
Wikipedia, Irisblende

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Quelle Beitragsbild: https://meisterschuetzen.org/forum/thread/5504-must-have-zubehoer-fuer-kk-gewehr/
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