Waffenerwerb in der Schweiz 3


Änderungsprotokoll
29.21.2019:

  • Kaliberbezeichnung bei AKS-74U korrigiert von 7.62×29 zu 5.45×39
  • Bild hinzugefügt: Alarmpistole
  • Bild hinzugefügt: Imitationswaffe
  • Bild hinzugefügt: Schreckschusswaffe
  • Präzisierung zu Kategorie Halbautomatische Handfeuerwaffen mit Klapp- oder Teleskopschaft, deren Gesamtlänge ohne Funktionseinbusse auf unter 60 cm gekürzt werden kann – Halbautomatische Randfeuerwaffen ebenfalls betroffen

Vorwort

Seit dem 15. August 2019 wird in der Schweiz ein neues, an EU-Richtlinien angepasstes Waffengesetz angewandt. War es früher noch relativ simpel zu erklären, wie man zu einer Waffe kommt, hat sich die ganze Geschichte mittlerweile drastisch verkompliziert. Nicht nur, dass zwei neue Bewilligungen hinzukamen, auch die Händler, Waffenbüros und sogar das fedpol selbst sind zuweilen unsicher, wie was jetzt gehandhabt werden soll.

So sieht es aus, wenn jemand das neue Waffengesetz zu erklären versucht.

Deshalb ist dieser Artikel auch rein auf den Erwerb von Schusswaffen begrenzt. Würde man die ganze Nachregistriererei und die Besitzbestätigung mit rein nehmen, würde der Artikel etwas sehr gross werden. Messer, Elektroschocker und verbotenes Waffenzubehör wird ebenfalls nicht behandelt.
Auch ignoriert werden die Waffenerwerbsscheine, die noch vor dem 15. August 2019 ausgestellt wurden und noch nach altem Recht gültig sind. Diese Waffenerwerbsscheine verlieren ihre Gültigkeit spätestens am 15. Februar 2020 und können nicht verlängert werden. Also, können schon, dann gelten sie aber unter neuem Recht und verwirken ihren Sonderstatus.

Die hier gezeigten Formulare sind vom Kanton Schaffhausen und Zürich, die Abläufe gemäss dem Kanton Schaffhausen. Es kann kantonale Unterschiede geben, obwohl der Sinn eigentlich wäre, das Gesetz schweizweit einheitlich handzuhaben. Böse Zungen behaupten, wir befinden uns wieder auf dem Stand von 1999 – was ein Körnchen Wahrheit beinhaltet, da jeder Kanton tatsächlich seine eigenen Süppchen kochen will. Hierbei wurden aber auch schon diverse Kantone von der Zentralstelle Waffen (ZSW) zurückgepfiffen, darunter Zürich und einige Welsche Kantone.

Die Links zu den Formularen sind am Ende des Artikels zu finden.

Der Artikel ist unterteilt in zwei Teile.
Im ersten werden die verschiedenen Waffenkategorien vorgestellt mit Auflistungen, welche Waffe in welche Kategorie fällt und welche Bewilligung dafür nötig ist.
Im zweiten werden die verschiedenen Bewilligungskategorien vorgestellt und aufgeführt, welche Waffen sich damit kaufen lassen und wie der Weg zu einer solchen Bewilligung genau aussieht.

Dies ist übrigens kein rechtlich bindendes Schriftstück. Ich bin auch nur ein gewöhnlicher Hansel, der mit dem Gesetz hadert – und ich habe es oft gelesen.- Sehr oft. Trotz bundesrätlich beschwichtigender Worte: Es änderte eben doch viel.
Und: Auch ich kann mich irren, vertippen, geistig umnachtet sein. Sollten Fehler im Artikel gefunden werden, werden diese selbstverständlich behoben. Ich werde auch gerne darauf aufmerksam gemacht.

Rechtliches

Grundsätzlich darf jeder Schweizer Bürger (oder Ausländer mit Niederlassungsbewilligung) eine Waffe erwerben, falls…

  • …man das 18. Altersjahr vollendet hat
  • …man nicht unter umfassender Beistandsschaft steht oder durch eine vorsorgebeauftragte Person vertreten wird
  • …man keinen Grund zum Anlass gibt, dass man sich selbst oder Dritte mit der Waffe gefährdet
  • …man keine Einträge wegen gemeingefährlicher Handlung oder wegen wiederholt begangener Verbrechen und/oder Vergehen im Strafregister stehen hat
Ausländische Staatsangehörige ohne Niederlassungsbewilligung benötigen für sämtliche Waffen und ihre wesentlichen Bestandteile (mindestens) einen Waffenerwerbsschein.
Angehörige folgender Staaten dürfen grundsätzlich keine Waffen oder ihre wesentlichen Bestandteile erwerben (Stand Dezember 2019):
  • Albanien
  • Algerien
  • Bosnien und Herzegowina
  • Kosovo
  • (Nord)Mazedonien
  • Serbien
  • Sri Lanka
  • Türkei
Der Artikel beruht auf folgenden Gesetzestexten:
Zudem wird auf das fedpol FAQ bzw. die Broschüre „Waffen in Kürze“ zurückgegriffen.

Ebenfalls fliessen eigene Erfahrungen mit ein, da der Autor bereits Waffenerwerbsscheine und die Ausnahmebewilligung klein für Schützen sowie für Sammler bewilligt bekommen hat. Mit der Ausnahmebewilligung gross liegen (noch) keine persönlichen Erfahrungen vor.

Waffenkategorien

Um zu wissen, welche Bewilligung es benötigt, muss zuerst einmal erfasst werden, in welche Kategorie die zu erwerbende Waffe gehört.
Man unterteilt hier in meldepflichtige Waffen, bewilligungspflichtige Waffen, verbotene Waffen (aber nicht so ganz verboten) und übrige verbotene Waffen (die sind mehr verboten als die verbotenen).

Nachfolgend einige Begriffe und Abkürzungen, die im Artikel (und den Gesetzestexten) vielfach vorkommen:

  • ABK: Ausnahmebewilligung klein
  • Faustfeuerwaffe: Pistolen und Revolver sowie andere Feuerwaffen, die nicht unter Absatz 1 fallen.
  • fedpol: Bundesamt für Polizei
  • Halbautomatisch: Feuerart, bei der die Waffe nach jedem Schuss selbst nachlädt, die nächste Patrone aber nicht selbständig abfeuert – es muss für jeden Schuss erneut der Abzug betätigt
  • Handfeuerwaffe: Feuerwaffen, deren Gesamtlänge 60 cm überschreitet oder die in der Regel zweihändig oder ab Schulter geschossen werden.
  • Kleinkaliber: Sammelbegriff für Munition im Kaliber .22lr (Randfeuerpatrone), aber auch .17HMR und weitere
  • Randfeuer: Patronenart, bei dem der Zünder direkt in den Hülsenboden „eingebaut“ ist
  • Repetierer: Gewehrart, bei der nach jedem Schuss manuell nachgeladen werden muss – entweder über einen Riegel, den Vorderschaft oder einen Hebel
  • Selbstladebüchse: Halbautomatisches Gewehr
  • Seriefeuer: Siehe Vollautomatisch
  • SON: Ausnahmebewilligung gross. Hergeleitet vom ebefalls gebräuchlichen Begriff Sonderbewilligung und als weitere Differenzierung zur kleinen Ausnahmebewilligung
  • Strafregisterauszug: Auszug aus dem Schweizerischen Strafregister, listet alle Strafregistereinträge einer Person auf, oder besagt, dass keine Einträge vorliegen
  • Vollautomatisch: Feuerart, bei der die Waffe nach jedem Schuss selbst nachlädt und die nächste Patrone abfeuert, so lange man den Abzug betätigt hält
  • WES: Waffenerwerbsschein
  • Zentralfeuer: Patronenart, bei dem der Zünder als separates, so genanntes Zündhütchen in den Patronenboden eingelassen ist

Meldepflichtige Waffen

Meldepflichtige Waffen können mittels einem Strafregisterauszug und einem schriftlichen Vertrag erworben werden.

Unter diese Kategorie fallen folgende Waffen:

Einschüssige Kaninchentöter
Was genau als Kaninchentöter gilt, ist nirgends wirklich definiert. In der Regel sind es einschüssige Flobertpistolen. Eine Anfrage beim fedpol ist in Bearbeitung.
Softairwaffen
Grundsätzlich:

Waffenverordnung Art. 6 Mit Feuerwaffen verwechselbare Waffen
Druckluft-, CO2-, Imitations-, Schreckschuss- und Soft-Air-Waffen sind mit Feuerwaffen verwechselbar, wenn sie auf den ersten Blick echten Feuerwaffen gleichen, und zwar unabhängig davon, ob eine Fachperson oder sonst jemand nach kurzer Prüfung die Verwechselbarkeit erkennt.

Eine Joulebegrenzung, wie sie Deutschland kennt, gibt es hier nicht. Ob 0.5 Joule oder 10 Joule spielt bei der Kategorisierung keine Rolle.
Alarmwaffen
Was genau als Alarmwaffe gilt, ist nirgends wirklich definiert. Eine Anfrage beim fedpol ist in Bearbeitung.
Schreckschusswaffen
Grundsätzlich:

Waffenverordnung Art. 6 Mit Feuerwaffen verwechselbare Waffen
Druckluft-, CO2-, Imitations-, Schreckschuss- und Soft-Air-Waffen sind mit Feuerwaffen verwechselbar, wenn sie auf den ersten Blick echten Feuerwaffen gleichen, und zwar unabhängig davon, ob eine Fachperson oder sonst jemand nach kurzer Prüfung die Verwechselbarkeit erkennt.

Was genau als Schreckschusswaffe gilt, ist nirgends wirklich definiert. Eine Anfrage beim fedpol ist in Bearbeitung.
Imitationswaffen
Grundsätzlich:

Waffenverordnung Art. 6 Mit Feuerwaffen verwechselbare Waffen
Druckluft-, CO2-, Imitations-, Schreckschuss- und Soft-Air-Waffen sind mit Feuerwaffen verwechselbar, wenn sie auf den ersten Blick echten Feuerwaffen gleichen, und zwar unabhängig davon, ob eine Fachperson oder sonst jemand nach kurzer Prüfung die Verwechselbarkeit erkennt.

Was genau als Imitationswaffe gilt, ist nirgends wirklich definiert. Eine Anfrage beim fedpol ist in Bearbeitung. ABER: Nicht zu verwechseln mit Dekorationswaffen! Diese gelten als das, was sie vor dem Dekoumbau mal waren und benötigen die gleichen Bewilligungen, wie ein funktionierendes Exemplar.
Paintballmarkierer
Eine Joulebegrenzung, wie sie Deutschland kennt, gibt es hier nicht. Ob 0.5 Joule oder 10 Joule spielt bei der Kategorisierung keine Rolle.
Nachbildungen von einschüssigen Vorderladern
Was genau als Nachbildung gilt, ist nirgends wirklich definiert. Eine Anfrage beim fedpol ist in Bearbeitung.
Druckluftwaffen
Grundsätzlich:

Waffenverordnung Art. 6 Mit Feuerwaffen verwechselbare Waffen
Druckluft-, CO2-, Imitations-, Schreckschuss- und Soft-Air-Waffen sind mit Feuerwaffen verwechselbar, wenn sie auf den ersten Blick echten Feuerwaffen gleichen, und zwar unabhängig davon, ob eine Fachperson oder sonst jemand nach kurzer Prüfung die Verwechselbarkeit erkennt.

Eine Joulebegrenzung, wie sie Deutschland kennt, gibt es hier nicht. Ob 0.5 Joule oder 10 Joule spielt bei der Kategorisierung keine Rolle.
CO2-Waffen
Grundsätzlich:

Waffenverordnung Art. 6 Mit Feuerwaffen verwechselbare Waffen
Druckluft-, CO2-, Imitations-, Schreckschuss- und Soft-Air-Waffen sind mit Feuerwaffen verwechselbar, wenn sie auf den ersten Blick echten Feuerwaffen gleichen, und zwar unabhängig davon, ob eine Fachperson oder sonst jemand nach kurzer Prüfung die Verwechselbarkeit erkennt.

Eine Joulebegrenzung, wie sie Deutschland kennt, gibt es hier nicht. Ob 0.5 Joule oder 10 Joule spielt bei der Kategorisierung keine Rolle.
Handrepetierer für Sport
Darunter Fallen die im Schützensport gebräuchlichen Standard- und Freigewehre sowie Stutzer und Kleinkaliber-Matchgewehre.
Die Waffenverordnung spezifiziert es noch etwas mehr:

Waffenverordnung Art. 19 Handrepetiergewehre

  1. Ohne Waffenerwerbsschein können die folgenden Handrepetiergewehre erworben werden:
    1. schweizerische Ordonnanzrepetiergewehre;
    2. Sportgewehre, für in der Schweiz übliche Militärkalibermunition oder für Sportkalibermunition, wie Standardgewehre mit einem Verschlussrepetiersystem;
    3. Jagdwaffen, die nach der eidgenössischen Jagdgesetzgebung für die Jagd zugelassen sind;
    4. Sportgewehre, die für nationale und internationale Wettbewerbe des jagdsportlichen Schiessens zugelassen sind.
Einschüssige und mehrläufige Jagdgewehre
Hier wird es etwas schwammig, was nun genau als Jagdgewehr gilt. Hier muss man nun die Jagdverordnung zu Rate ziehen, welche besagt:

Jagdverordnung Art. 2 Für die Jagd verbotene Hilfsmittel

  1. Folgende Hilfsmittel und Methoden dürfen für die Ausübung der Jagd nicht verwendet werden:
    1. Armbrüste, Pfeilbogen, Schleudern, Speere, Lanzen, Messer, Luftgewehre und Luftpistolen;
    2. Selbstladewaffen mit einem Magazin von mehr als zwei Patronen, Schrotwaffen mit einem Kaliber von mehr als 18,2 mm (Kaliber 12), Seriefeuerwaffen und Faustfeuerwaffen;
    3. Feuerwaffen:
      1. deren Lauf kürzer als 45 cm ist,
      2. deren Schaft klappbar, teleskopartig ausziehbar oder nicht fest mit dem System verbunden ist,
      3. deren Lauf auseinandergeschraubt werden kann,
      4. die mit einem integrierten oder aufsetzbaren Schalldämpfer ausgerüstet sind;
Diese Informationen muss man nun mit dem Waffengesetz bzw. der Waffenverordnung abgleichen und per Ausschlussverfahren irgendwie herleiten, ob die Waffe jetzt als Jagdwaffe gilt oder nicht. Soviel sei gesagt: Der eine Händler wird A sagen, der andere auf B beharren. Das Waffenbüro wird eventuell C meinen.
Jagdliche Handrepetierer
Hier wird es etwas schwammig, was nun genau als Jagdgewehr gilt. Hier muss man nun die Jagdverordnung zu Rate ziehen, welche besagt:

Jagdverordnung Art. 2 Für die Jagd verbotene Hilfsmittel

  1. Folgende Hilfsmittel und Methoden dürfen für die Ausübung der Jagd nicht verwendet werden:
    1. Armbrüste, Pfeilbogen, Schleudern, Speere, Lanzen, Messer, Luftgewehre und Luftpistolen;
    2. Selbstladewaffen mit einem Magazin von mehr als zwei Patronen, Schrotwaffen mit einem Kaliber von mehr als 18,2 mm (Kaliber 12), Seriefeuerwaffen und Faustfeuerwaffen;
    3. Feuerwaffen:
      1. deren Lauf kürzer als 45 cm ist,
      2. deren Schaft klappbar, teleskopartig ausziehbar oder nicht fest mit dem System verbunden ist,
      3. deren Lauf auseinandergeschraubt werden kann,
      4. die mit einem integrierten oder aufsetzbaren Schalldämpfer ausgerüstet sind;
Diese Informationen muss man nun mit dem Waffengesetz bzw. der Waffenverordnung abgleichen und per Ausschlussverfahren irgendwie herleiten, ob die Waffe jetzt als Jagdwaffe gilt oder nicht. Soviel sei gesagt: Der eine Händler wird A sagen, der andere auf B beharren. Das Waffenbüro wird eventuell C meinen.
Ordonnanzrepetiergewehre
Hierbei sind die Schweizer Ordonnanzrepetiergewehre gemeint. Gemeinhin packt man die Karabiner 31, 11 und die Langgewehre da hinein. Wer Ernst Grenachers Buch Schweizer Militärgewehre Hinterladung gelesen hat, der weiss, es sind noch hunderte mehr. All die Vetterlis, Mannlichers und so weiter, die von unserem Militär mal als Ordonnanzwaffe geführt wurden, würden darunter fallen. Weder das Waffengesetz noch die Waffenverordnung definieren Ordonnanzgewehr explizit.
Konkrete Beispiele:

Bewilligungspflichtige Waffen

Bewilligungspflichtig heisst hier, dass ein Waffenerwerbsschein Voraussetzung für den Erwerb ist.

Unter diese Kategorie fallen folgende Waffen:

Persönliche Ordonnanzwaffen
Pistolen
Bei halbautomatischen Zentralfeuerpistolen darf die Magazinkapazität 20 Patronen nicht überschreiten.
Wichtig ist hier vor allem das Wörtchen „Zentralfeuerpistole“. Es sind nur halbautomatische Zentralfeuerpistolen vom neuen Waffengesetz und dementsprechend der Magazinlimitierung betroffen. Eine KEL-TEC PMR 30 (Kaliber .22 Magnum) mit dem originalen 33-Schuss-Magazin kann ohne Weiteres mit WES gekauft und genutzt werden, da es sich dabei um eine halbautomatische Randfeuerpistole handelt.
Revolver
Revolver sind vom neuen Waffengesetz nicht berührt. Aber achtung: Revolverkarabiner können als Handfeuerwaffe gelten!
Unterhebelrepetierer
Unterhebelrepetierer sind vom neuen Waffengesetz nicht berührt.
Vorderschaftsrepetierer
Vorderschaftsrepetierer (egal ob Schrot- oder Büchsenmunition) sind vom neuen Waffengesetz nicht berührt.
Ausländische Ordonnanzrepetiergewehre
Damit sind Handrepetiergewehre gemeint, die in ausländischen Amreen als Ordonnanzwaffe gführt wurden. So der Deutsche Karabiner 98, der Schwedische m/96, der Sovjetische Mosin Nagant etc.
Halbautomatische Gewehre
Bei halbautomatischen Zentralfeuergewehren darf die Magazinkapazität 10 Patronen nicht überschreiten.
Wichtig ist hier vor allem das Wörtchen „Zentralfeuergewehr“. Es sind nur halbautomatische Zentralfeuergewehre vom neuen Waffengesetz und dementsprechend der Magazinlimitierung betroffen. Eine Ruger 10/22 (Kaliber .22lr) mit einer 100-Schuss-Trommel kann ohne Weiteres mit WES gekauft und genutzt werden, da es sich dabei um ein halbautomatisches Randfeuergewehr handelt.
Selbstladeflinten
Bei halbautomatischen Selbstladeflinten darf die Magazinkapazität 10 Patronen nicht überschreiten. Achtung: Es wird die kleinstmögliche Patronengrösse als Massgeber genommen!
Konkrete Beispiele:



Verbotene Waffen

Verbotene Waffen benötigen eine Ausnahmebewilligung. Da es aber zwei Kategorien verbotener Waffen gibt (verbotene und übrige verbotene), wird hier unterschieden. „Normal“ verbotene Waffen benötigen eine kleine Ausnahmebewilligung (ABK).

Unter diese Kategorie fallen folgende Waffen:

Halbautomatische Faustfeuerwaffen mit grossem Magazin (mehr als 20 Patronen)
Die Broschüre „Waffen in Kürze“ redet plötzlich nur noch von halbautomatischen Faustfeuerwaffen, nichtmehr von halbautomatischen Zentralfeuerfaffen. Das Waffengesetz setzt aber ganz klar grosse Magazine mit Zentralfeuerwaffen in Verbindung, deshalb ist diese Bezeichnung hier zu ignorieren.
Halbautomatische Handfeuerwaffen mit grossem Magazin (mehr als 10 Patronen)
Die Broschüre„Waffen in Kürze“ redet plötzlich nur noch von halbautomatischen Handfeuerwaffen, nichtmehr von halbautomatischen Zentralfeuerfaffen. Das Waffengesetz setzt aber ganz klar grosse Magazine mit Zentralfeuerwaffen in Verbindung, deshalb ist diese Bezeichnung hier zu ignorieren.
Zu Halbautomaten umgebaute Seriefeuerwaffen
Halbautomatische Handfeuerwaffen mit Klapp- oder Teleskopschaft, deren Gesamtlänge ohne Funktionseinbusse auf unter 60 cm gekürzt werden kann
Achtung: Redet das Gesetz bei den Halbautomaten ansonsten stets von Zentralfeuerwaffen, sind hier auch die Randfeuerwaffen betroffen!

Hier wird es aus eigener Erfahrung lustig/traurig.
Ein Schaftsystem, wie beispielsweise das RONI-Kit, fällt unter Umständen ebenfalls unter diese Kategorie
Das bedeutet, dass ein RONI an sich frei gekauft werden kann, aber wenn man eine Pistole reinsteckt, die nicht unter der nötigen Bewilligung gekauft wurde, macht man sich strafbar. Konkret muss die Pistole entweder vor dem 15. August 2019 gekauft worden sein oder danach mittels ABK Sammler (falls die gesamtlänge ausgeklappt über 60cm und eingeklappt unter 60 zu liegen kommt) oder Schützen (falls die Länge ausgeklappt bereits unter 60cm liegt).

Augenbraue hochgeschnellt?

Es geht auch ohne Schaftsystem. Beispiel CZ Vz61. Mit ausgeklappter Schulterstütze unter 60cm (58 um genau zu sein) und eigentlich eine Faustfeuerwaffe. Der 60cm-Passus irritiert aber wohl viele Leute, die meinen, das Ding gelte dann als Handfeuerwaffe und müsse auf die ABK Sammler genommen werden (GANZ witzig wirds dann noch, wenn die Vz61 eine abgeänderte Seriefeuerwaffe ist).

Dieser Passus ist mit einer der kontroversesten des neuen Gesetzes und im Zweifelsfall gilt: Abklären! Viele Händler und auch Behörden wollen auf Nummer Extrasicher gehen. Klärt zusammen mit dem Händler, dem Waffenbüro und wenns sein muss dem fedpol ab. Fragt auch andere Waffenbüros. Gerade kleinere Kantone haben noch weniger Erfahrung als die grossen. Ich habe Schaffhausen wohl auch etwas überfordert.

Konkrete Beispiele:

Übrige verbotene Waffen

Übrige verbotene Waffen benötigen eine Ausnahmebewilligung. Da es sich hier um die „höhere“ Kategorie der verbotenen Waffen handelt, ist eine grosse Ausnahmebewilligung (SON) vonnöten.

Unter diese Kategorie fallen folgende Waffen:

Seriefeuerwaffen
Hierbei ist es vollkommen irrelevant, ob man eine vollautomatische Pistole oder ein schweres Maschinengewehr auf Räderlafette kauft.
Zu Halbautomaten umgebaute Seriefeuerwaffen
Militärische Abschussgeräte von Munition mit Sprengwirkung
Darunte Fallen zum Beispiel Panzerfäuste, Raketenwerfer, Mörser, dedizierte Granatwerfer (bspw. Milkor MGL M32) etc.
Leichte und schwere Maschinengewehre
Sofern sie befähigt sind, Seriefeuer zu schiessen; Sind sie umgebaut auf Halbautomatik, muss von Fall zu Fall unterschieden werden. Ebenfalls verzwickt wird es, nimmt man Artikel 4 des Waffengesetzes zur Hand:

Waffengesetz Artikel 4 Begriffe

  1. Als Waffen gelten:
    1. Geräte, mit denen durch Treibladung Geschosse abgegeben werden können und die eine einzige Person tragen und bedienen kann, oder Gegenstände, die zu solchen Geräten umgebaut werden können (Feuerwaffen);
Gewisse schwere Maschinengewehre dürften schon einen sehr schmalen Grat wandern, was vor allem „die eine einzige Person tragen und bedienen kann“ angeht. Schwarzenegger mag ein MG11 tragen können – DeVito eher nicht.
Granatwerfer als Zusatz zu einer Feuerwaffe
Damit sind Granatwerfer gemeint, die an einem Gewehr befestigt werden können und/oder alleine für sich nicht funktionsfähig sind.
Konkrete Beispiele:

Bewilligungskategorien
Meldepflichtig – Strafregisterauszug

Mit einem Strafregisterauszug fängt alles an. Mit ihm kann man meldepflichtige Waffen sowie Munition erwerben und er wird benötigt, um weitere Bewilligungen zu erlangen.
Im idealfall ist er leer. Ein Eintrag ist, je nach dem um was es sich handelt, ebenfalls noch vertretbar. Ab zwei Einträgen wird jedoch der Waffenerwerb verweigert.

Den Strafregisterauszug kann man entweder online oder am Postschalter bestellen. Online wird eine suisseID benötigt, am Postschalter ist nur eine Identitätskarte sowie das Ausfüllen des Formular mit persönlichen Daten nötig. Tipp: Der Mädchenname der Mutter wird verlangt.
Der Gang zum Postschalter ist demnach am bequemsten. Kosten tut das ganze 20 Franken, je nach Kanton kommt der Strafregisterauszug in ein paar Tagen an. Hier in Schaffhausen habe ich das Papier zwei Tage später im Briefkasten – sehr schnell.


Bewilligungspflichtig – Waffenerwerbsschein (WES)

Der WES berechtigt zum Erwerb von bewilligungspflichtigen Waffen.
Er kann bei der kantonalen Polizeibehörde bzw. Fachstelle Waffen beantragt werden (achtung: Im Kanton Zürich läuft das über die Wohngemeinde!). Die jeweiligen Polizeistellen haben meist eigene Formulare, aber dasjenige des fedpol ist schweizweit anerkannt und auch das Formular, welches ich persönlich nutze.

Das Formular verlangt persöliche Daten sowie Angaben über die Waffe, die man gedenkt zu kaufen. Hier wird es wieder etwas kantönligeistig.
In Schaffhausen ist es so, dass man beim ersten WES-Antrag im Kanton (unabhängig davon, ob es der erste überhaupt ist oder ob man in einem anderen Kanton bereits 600 WES bewilligt bekam) generell nur eine Feuerwaffe bewilligt bekommt und unter genauen Angaben, was man kaufen will.
Ebenfalls wird ein Leumundsbericht erstellt und man wird zu einem Gespräch mit einem Polizisten aufgeboten.

Ab dem zweiten WES können dann drei Waffen auf einmal benatragt werden, auch „3x Feuerwaffe“ wird akzeptiert, dies ist ebenfalls mein Modus Operandi, weil man weiss ja nie über was man stolpert.
Aber eben, andere Kantone, andere Handhabe. Am besten ist, man hat jemanden im Bekanntenkreis, der das Karussell schon einmal gefahren ist.

Zum ausgefüllten WES-Antragsformular muss noch der Strafregisterauszug (im Original, keine Kopie) sowie eine ID-/Passkopie mit in den Briefumschlag an die Polizei.

Der ganze Spass kostet dann 50 Franken, exklusive den 20 Franken für den Strafregisterauszug. Letzteren bekommt man je nach dem wieder im Original zurückgeschickt. In Schaffhausen konnte ich noch kein Muster ausmachen.


Verboten – Ausnahmebewilligung klein für Schützen (ABK Schützen)

Die ABK Schützen berechtigt zum Erwerb von verbotenen Waffen „light“. Es wird sogar auf dem Formular vorgegeben, was man ankreuzen muss:

  • Zu einer halbautomatischen Feuerwaffe umgebaute Ordonnanz-Seriefeuerwaffe oder wesentlicher Bestandteil davon
  • Eine andere zu halbautomatischer Feuerwaffe umgebaute Seriefeuerwaffe oder ein wesentlicher Bestandteil davon
  • Eine der folgenden halbautomatischen Zentralfeuerwaffen:
    1. Eine Faustfeuerwaffe, die mit einer Ladevorrichtung mit hoher Kapazität (mehr als 20 Schuss) ausgerüstet ist
    2. Eine Handfeuerwaffe, die mit einer Ladevorrichtung mit hoher Kapazität (mehr als 10 Schuss) ausgerüstet ist
  • Ein Waffenzubehör
Die umgebaute Ordonnanz-Seriefeuerwaffe bezeichnet die Sturmgewehre 57 und 90, die man nicht direkt selbst aus der Armee übernommen hat. Und nur diese.
Bei den anderen umgebauten Seriefeuerwaffen kommt es eben wieder darauf an, wie genau sie umgebaut wurde.

Irritierend ist der letzt Punkt mit dem Waffenzubehör. Dieses ist im Waffengesetz folgendermassen definiert:

Waffengesetz Art. 4 Begriffe

  1. Als Waffenzubehör gelten:
    1. Schalldämpfer und ihre besonders konstruierten Bestandteile;
    2. Laser- und Nachtsichtzielgeräte sowie ihre besonders konstruierten Bestandteile;
    3. Granatwerfer, die als Zusatz zu einer Feuerwaffe konstruiert wurden.
Irritierend deshalb, weil Waffenzubehör im Sinne des Waffengesetzes eigentlich eine grosse Ausnahmebweilligung benötigt. Warum man dies auf der Ausnahmebewilligung klein beantragen kann? Keine Ahnung. Ich habe auf meiner ABK Schützen alles angekreuzt gehabt (analog zum WES, und weil „es ändert sich nichts“) und wurde dann informiert, dass für Waffenzubehör dann eine grosse Ausnahmebewilligung erteilt würde. Man müsste es mal ausprobieren…

Ansonsten ist das Prozedere gleich wie beim WES, inklusive Kosten.
Achtung Kanton Zürich: Die ABKs gehen nicht wie die WES über die Wohngemeinde, sondern direkt über die Kantonspolizei!

Zu beachten ist, dass man, sobald man eine Waffe mittels ABK Schützen gekauft hat, die Schiessnachweis-Uhr zu ticken anfängt.
Ebenfalls als Anmerkung: Man kann alle Waffen, die man auch via WES erwerben kann, auf die ABK nehmen, auch wenn dies gar nicht nötig wäre.


Verboten – Ausnahmebewilligung klein für Sammler (ABK Sammler)

Die ABK Sammler ist im Wesentlichen mit der ABK Schützen identisch, ABER.

Zunächst, man kann eine weitere Kategorie ankreuzen:

  • Eine halbautomatische Handfeuerwaffe, die mithilfe eines Klapp- oder Teleskopschaftes oder ohne Hilfsmittel auf eine Länge unter 60cm gekürzt werden kann, ohne dass dies einen Funktionsverlust zur Folge hat.
Dies ist insbesondere für die dynamischen Schützen relevant, da viele beliebte 9mm-Karabiner genau in diese Kategorie fallen. Also im Zweifelsfalle Massband ausgepackt.

Dann kann auf dem Formular (zumindest dem vom fedpol) nur eine Waffe angegeben werden. Auf der tatsächlichen ABK können aber drei Waffen angegeben werden. Theoretisch sollte es also möglich sein, mehrere Feuerwaffen zu beantragen. Zudem muss man etwas mehr beilegen, nämlich:

  • Eine amtliche Bestätigung (nur relevant für Personen mit Wohnsitz im Ausland und für ausländische Staatsangehörige)
  • Ein aktuelles Verzeichnis der Waffen im Besitz
  • Nachweis über angemessene Vorkehrungen zur Sicheren Aufbewahrung
Hierfür gibt es beispielsweise von der Kantonspolizei Zürich ein Formular, welches auch Schaffhausen nutzt und das Sicherheitskonzept sowie das Verzeichnis vereint.
Zum Verzeichnis ist zu sagen: Es sind NUR Waffen gemäss Waffengesetz Artikel 5 aufzuführenn, also solche, die ab dem 15. August 2019 als verboten klassifiziert wurden.
Wenn also der alte Schützenkamerad mault, dass er jetzt alle Karabiner und Luftgewehre (!) nachmelden muss – nein…

Das Formular stellt zu den Personalien noch einige Fragen zur Wohnsituation und will wissen, wie die Aufbewahrung vorgesehen ist. Die eine Zeile ist etwas wenig Platz, ich habe das Sicherheitskonzept auf einem Beiblatt ausführlich beschrieben.

Das Formular schlägt unter anderem vor, Prüfplaketten der zertifizierten Tresore beizulegen. Anders als in Deutschland kennt die Schweiz allerdings keine Mindestanforderungen der Schutzklassen der Tresore und Waffenschränke. Wenn man das hat, okay, wenn nicht, kein Problem. Der Waffenschrank aus dem Baumarkt ist ebenfalls akzeptiert.

Ein Schiessnachweis entfällt bei dieser ABK, dafür ist mit Kontrollbesuchen zu rechnen, wie bei der grossen Ausnahmebewilligung, wobei das auch wieder kantonal gehandhabt wird.

Der Antrag muss wieder, analog zum WES und der ABK Schützen, zusammen mit einem Strafregisterauszug im Original, einer ID-/Passkopie sowie den weiteren Formularen (Sicherheitskonzept, Verzeichnis, etc) an die Polizei geschickt werden.
Achtung Kanton Zürich: Die ABKs gehen nicht wie die WES über die Wohngemeinde, sondern direkt über die Kantonspolizei!

Ebenfalls als Anmerkung: Man kann alle Waffen, die man auch via WES erwerben kann, auf die ABK nehmen, auch wenn dies gar nicht nötig wäre.

Die Kosten belaufen sich auch hier auf 50 Franken exklusive Strafregisterauszug.


Übrig verboten – Ausnahmebewilligung gross (SON)

Die SON ist die Ausnahmebewilligung für alles Verbotene. Also für Seriefeuerwaffen, Panzefäuste, Granatwerfer… und Schweizerdolche, aber anderes Thema.

Jedenfalls sind die SON und die ABK Sammler sehr ähnlich, inklusive der Auflagen. Allerdings braucht man für die SON ein anderes Formular, welches in der Regel nicht öffentlich einsehbar ist. Man muss also bei der zuständigen Stelle um ein Formular anfragen, da viele Behörden interne Vorschriften für die SON haben (Waffenbesitzer seit x Jahren und mindestens y Waffen in Besitz).

Kosten tut die Sonderbewilligung 150 Franken für Waffen und 100 für Zubehör.

Achtung: Will man mit einer mittels SON gekauften Waffe schiessen gehen, etwa einer Seriefeuerwaffe, so ist dazu eine Tagesbewilligung nötig!

Spezialfall persönliche Ordonnanzwaffe

Bei den meldepflichtigen Waffen, die mittels WES gekauft werden können, steht etwas von persönlicher Ordonnanzwaffe.
Diese bilden einen Spezialfall im Gesetz, da sie eigentlich unter die ABK fallen würden, als umgebaute Seriefeuerwaffe (mit grossem Magazin).
Da man aber der Übernahme der persönlichen Waffe grosse Bedeutung beimisst, es war ja ein Kernargument der Gesetzesbefürworter, wurde das ganze so gemacht:

Wer seine in der Armee an ihn abgegebene Waffe behalten will, kann diese mittels WES ins Eigentum übernehmen.

Das heisst, ein Sturmgewehr 90 kann NUR mittels WES erworben werden, wenn man es SELBST von der Armee übernimmt.
Will man es weiterverkaufen, entfällt der Sonderstatus und benötigt eine ABK.
Will man eines im Handel kaufen, benötigt es eine ABK.

Siehe auch das Waffengesetz:

Waffengesetz Art. 5 Verbote im Zusammenhang mit Waffen, Waffenbestandteilen und Waffenzubehör

  1. Verboten sind die Übertragung, der Erwerb, das Vermitteln an Empfänger und Empfängerinnen im Inland, das Verbringen in das schweizerische Staatsgebiet und der Besitz von:
    1. Zu halbautomatischen Feuerwaffen umgebauten Seriefeuerwaffen und ihren wesentlichen Bestandteilen; ausgenommen hiervon sind Ordonnanzfeuerwaffen, die vom Besitzer oder der Besitzerin direkt aus den Beständen der Militärverwaltung zu Eigentum übernommen wurden, sowie für den Funktionserhalt dieser Waffe wesentliche Bestandteile;
Wie man sein Armeegewehr nach Dienstende behalten kann ist in in diesem Artikel beschrieben.

Spezialfall umgebaute Seriefeuerwaffe

Es gibt zwei Arten von umgebauten Seriefeuerwaffen: Die nach alter Schweizer Norm (vor dem Waffengesetz von 1999) abgeänderten, und die nach neuer Schweizer Norm (ab 1999).
Vor dem 15. August 2019 galten die nach altem Recht abgeänderten Seriefeuerwaffen weiterhin als Seriefeuerwaffen und bedurften der grossen Ausnahmebewilligung.
Zum jetztigen Zeitpunkt ist dies nicht mehr so, zumindest unter gewissen Umständen. Die Waffenverordnung sagt dazu folgendes:

Waffenverordnung Art. 5a Zu halbautomatischen Feuerwaffen umgebaute Seriefeuerwaffen
Seriefeuerwaffen gelten nur dann als zu halbautomatischen Feuerwaffen umgebaut, wenn die Seriefeuer-Funktion nicht oder nur mit grossem Aufwand von einer Fachperson mit Spezialwerkzeug wiederhergestellt werden kann.

Die alte Schweizer Norm war sehr dehnbar. Man sah von verstifteten, verschweissten und verfrästen Waffen bis zur simplen Schraube vor dem Feuerwahlhebel alles.

Als konkretes Beispiel sei meine CZ Vz61 Scorpion aufgeführt. Diese ist nach alter Schweizer Norm zum Halbautomaten abgeändert worden. Vor dem 15. August 2019 konnte diese Vz61 nur mit der grossen Ausnahmebewilligung erworben werden. Jetzt allerdings nicht mehr:

Es ist nun also so, dass sich diese Vz61 nur mit grossem Aufwand von einer Fachperson mit Spezialwerkzeug wiederherstellen lässt. Zumal der Erwerb der fehlenden Teile ohnehin eine eigenen Ausnahmebewilligung nach sich ziehen würde und entsprechend ohne Bewilligung gar nicht eingebaut werden darf. Ebenfalls wäre der Aufwand so erheblich, dass es wohl einfacher wäre, das Ding von Grund auf neu zu bauen.

Aber auch zu beachten ist folgendes Sicherheitsnetz in der Waffenverordnung:

Waffenverordnung Art. 25 Typenprüfung zur Bestimmung von Seriefeuerwaffen und zu halbautomatischen Feuerwaffen umgebauten Seriefeuerwaffen

  1. Besteht Unklarheit darüber, ob es sich bei einer Waffe um eine Seriefeuerwaffe oder um eine zu einer halbautomatischen Feuerwaffe umgebaute Seriefeuerwaffe handelt, so muss bei der Zentralstelle Waffen eine Typenprüfung beantragt werden.

Sonstige Spezialfälle
Ein weiteres Anzeichen für die ungetrübte Brillanz der Gesetzgebung sind diverseste Stolpersteine und Waffen/Sachverhalte, die zwischen die Sofakissen rutschen.

Unter anderem:

Schaftsystem
Bestes Beispiel: Glock 17 + Roni Kit. Gilt aber auch fürs Hera Triarii und das FAB Defense KPOS. Was, wenn ich eine Glock 17 in ein Schaftsystem stecke? Nun, es wird Tatsache zu einer Handfeuerwaffe in den Augen des Gesetzes. Mit allen Konsequenzen: Die Magazingrösse darf dann nur noch 10 Schuss betragen und die Längenmasse müssen ebenfalls beachtet werden.
Aber was heisst das jetzt genau?

Das Schaftsystem selbst ist hier eher nebensächlich. Es ist und bleibt frei verkäuflich. Hingegen ist es wichtiger, wann und wie die Pistole dazu gekauft wurde.
Vor dem 15. August 2019 darf die Pistole und das Schaftsystem mit grossen Magazinen genutzt werden.
Nach dem 15. August 2019 kommt es darauf an. Wurde die Pistole mit einem WES gekauft, hat man ein Problem, da man dann eine Handfeuerwaffe über 10 Schuss Kapazität in den Händen hält.
Wurde die Pistole mit einer ABK gekauft, darf sie und das Schaftsystem mit grossen Magazinen genutzt werden.

Die Längenmasse der Handfeuerwaffe (um die richtige ABK zu lösen, wegen den 60cm) sind nur dann relevant, wenn das Schaftsystem ausgeklappt über 60cm erreicht. Falls das System in ihrer längsten Konfiguration unter 60cm bleibt, so ist eine ABK Sammler nicht nötig.

Anders sieht es mit Schaftsystemen wie dem B&T USW aus. Dieses macht noch keine Handfeuerwaffe, da „in der Regel nicht ab Schulter geschossen“ wird.

Einzelfälle müssen geprüft werden.

Rechtssicherheit!

Zusammenfassung

Es ändert sich nichts, hiess es.
Es ist nur ein anderes Formular, hiess es.

Dr. Evil wurde hier selbstverständlich nur rein zufällig ausgewählt.

Wer seit dem 15. August 2019 eine Waffe gekauft oder zu kaufen versucht hat, der weiss: Das stimmt alles nicht.

Der ganze Prozess wurde sehr viel mehr verkompliziert, es sind enorm viele Stolperfallen vorhanden und es grassiert enorm viel Unsicherheit – auf Seiten Kosnument, auf Seiten Händler und auf Seiten Behörden.

Aber wird sind alle etwas sicherer, auch wenn sogar Juristen keinen Durchblick mehr haben.

Item.

Ich hoffe, dem einen oder anderen mit dieser Wegeleitung eine kleine Schneise in den Urwald der Gesetze geschlagen zu haben. Es wurde nicht einfacher, es blieb schon gar nicht gleich, aber es ist halbwegs machbar. Wir sind immernoch in der Anfangsphase dieses neuen Gesetzes, jeder muss Erfahrungen sammeln. Je mehr, je besser.

SubterranGähnNaja...Nicht schlecht!Mouche! (11 Sterne, durchschnittlich 5.00 von 5)
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Weiterführende Links

Bundesgesetz über Waffen, Waffenzubehör und Munition (Waffengesetz, WG)
Verordnung über Waffen, Waffenzubehör und Munition (Waffenverordnung, WV)
Verordnung über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (Jagdverordnung, JSV)
fedpol – Waffen
Broschüre „Waffen in Kürze“
Formular WES Gesamtschweizerisch
Formular ABK Schützen gesamtschweizerisch
Formular ABK Sammler gesamtschweizerisch
Formular Sicherheitskonzept/Verzeichnis Kantonspolizei Zürich

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  • B&T USW Schaftsystem
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3 Gedanken zu “Waffenerwerb in der Schweiz

    • MRCL Autor des Beitrags

      Theoretisch sollte das möglich sein. Man könnte beim Formular einfach drei Rückseiten einsenden… Müsste man mal ausprobieren.

      • MRCL Autor des Beitrags

        Kann ich mittlerweile bestätigen. Habe zwei ABK Sammler mit je einer Feuerwafe dauf abgeschickt, und eine ABK für 2 Feuerwaffen zurück bekommen. Es funktioniert also, ggf. muss man halt drei Formulare einreichen für eines am Schluss.