Waffenerwerb in der Schweiz


Wer eine Waffe in der Schweiz kaufen will, kann das in der Regel tun, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Das landfäufige Wissen um die genauen Umstände, wie man denn jetzt legal zu einer Waffe kommt, ist aber nicht immer vorhanden. Deshalb hier eine Wegeleitung zum legalen Kauf einer Schusswaffe in der Schweiz.

1. Das Waffengesetz

Bevor man überhaupt darüber nachdenkt, wo man die Waffe erwerben will, sollte man sich erst einmal das Waffengesetz zu Gemüte führen. Denn: Es kann schon an dem Vorhaben scheitern. Gehört man bestimmten Staaten an, hat man gewisse Straftaten begangen oder erfüllt ein anderes „Killerkriterium“ nicht, muss man gar nicht erst weiter darüber nachdenken. Auch wer gleich als erstes eine schallgedämpfte Vollauto-Kalashnikov kaufen will, erfährt erstmal einen Dämpfer (Wortwitz nicht mit Absicht).

Das fedpol hat eine handliche Broschüre herausgegeben, die auf alles Wichtige im Waffengesetz Bezug nimmt und einfach erklärt, was geht und was nicht.

1.5 WES oder nicht?

Bevor man jetzt für einen Karabiner 31 einen WES ausfüllen möchte: Es wird unterschieden zwischen meldepflichtigen, bewilligungspflichtigen und verbotenen Waffen. Ein K31 beispielsweise fällt unter die Meldepflicht, da braucht es keinen WES. Details sind im Link zum fedpol am Ende des Artikels nachzulesen.

2. Der Strafregisterauszug

Den Strafregisterauszug braucht es im Zusammenhang mit Waffen praktisch immer. Sei es für den Waffenerwerbsschein (nachfolgend WES genannt), den Europäischen Feuerwaffenpass, de Kauf von Munition oder Pulver und neuerdings auch für den Besuch im Schiesskeller.

Bestellt werden kann er für ein 20er-Nötli an jedem Postschalter – das ist auch die einfachste Art, an den Auszug heranzukommen. Die Post ist nicht berechtigt und schon gar nicht verpflichtet danach zu fragen, weshalb man den Auszug beanträgt. Einfach am Schalter den Auszug bestellen, Ausweis vorzeigen, Daten kontrollieren (wichtig, da sonst der Auszug verweigert wird falls etwas nicht stimmt) und bezahlen.

Der Auszug kommt dann in der Regel innert zwei bis drei Tagen. Je nach dem, wie viel die in Bern grad zu tun haben.

3. Der WES

Nun kommt der erste grosse Schritt: Der Waffenerwerbsschein.

Einzureichen bei der Polizeibehörde des Wohnkantons (Achtung: Mancherorts ist die Wohngemeinde zuständig), umfasst der WES die persönlichen Daten und Angaben zu den Waffen, die man gerne haben will (und aus welchem Grund: Sammlung, Sport, Jagd oder Anderes). Datum und Unterschrift nicht vergessen!

WES-Formulare gibt es auf der Homepage der jeweiligen Behörde, vom fedpol selbst oder über Suisse ePolice.

Bei letzterem machen nicht alle Kantone mit (Schaffhausen tut es) und man ist, da es ein Online-Formular ist, etwas mehr eingeschränkt, wie man das ganze ausfüllt. Da man das Formular aber sowieso ausdrucken und einschicken muss, macht die elektronische Erfassung nur Sinn, wenn man das Formular noch nie ausgefüllt hat und etwas Wegeleitung wünscht. Denn: Je nach bearbeitendem Beamten muss die Bezeichnung der gewünschten Waffenart mehr oder weniger präzise sein. Ich habe von Einträgen die einfach nur „Feuerwaffe“ besagen, bis zur detaillierten Umschreibung mit Marke und Modell schon vieles gesehen. Das allgemeine Formular vom fedpol ist aber in allen Kantonen akzeptiert.

Pro WES dürfen maximal drei Waffen oder waffenrelvante Teile (Lauf, Abzugsgehäuse, etc.) angegeben werden. Diese sind dann auch alle beim gleichen Händler zu beziehen. Man kann also nicht mit demselben WES bei einem Händler in Zürich und in Bern einkaufen. Falls man das aber plant, so muss man halt für jede Waffe, bzw. jeden Händler einen separaten WES einreichen.

Aber: Hat man drei Waffen aufgeführt und kauft nur zwei, ist das kein Problem. Die dritte Stelle wird einfach gestrichen.

Hat man alles ausgefüllt, so steckt man das Formular zusammen mit dem Original des Strafregisterauszug (wichtig: keine Kopie!) und einer Kopie eines Lichtbildausweises (ID/Pass, Führerschein zählt nicht) in einen Umschlag an die kantonale Polizeibehörde und wartet.

Die Kosten pro WES belaufen sich auf runde 50 CHF. Wie viele Waffen beantragt werden spielt keine Rolle, es zählen nur die eingereichten Formulare.

Gerne würde ich ein Bild eines bewilligten WES von mir anhängen. Aber ich müste so viele Sachen unkenntlich machen, dass man grad so gut ein leeres Formular zeigen könnte.

4. So weit, so standardisiert.

Die bisherigen Schritte sind schweizweit einheitlich. Alles nach dem Einwurf in den Briefkasten kann von Kanton zu Kanton variieren. Ich wohne in Schaffhausen und habe dementsprechend mit der Schaffhauser Polizeibehörde zu tun (glücklicherweise ein sehr netter und kompetenter Laden). Deshalb nun aus „meiner“ Sicht:

5. Der Leumundsbericht

Schaffhausen führt bei erstmaligem Antrag eines WES im Kanton (egal, ob man ausserkantonal schon WES bewilligt bekommen hat oder nicht) einen Leumundsbericht durch. Was dieser genau beinhaltet kann ich nicht sagen, man schweigt sich da aus. Es geht aber in die Richtung wie „Ist man ein stadtbekannter Säufer“ oder sonstwie polizeibekannt. Dazu werden auch die früheren Wohnortsbehörden kontaktiert. Hat man aber einen sauberen Strafregisterauszug und nie gross mit der Polizei zu tun gehabt, braucht man sich keine Sorgen zu machen.

6. Das Gespräch

Schaffhausen möchte, wiederum bei erstmaligem Antrag eines WES im Kanton, den Antragsteller persönlich kennenlernen. So bekommt man eine Einladung, sich bei der regionalen Polizeistelle einzufinden und zu „plaudern“. Man möchte einfach die Person einschätzen können und so verläuft das Gespräch recht angenehm. Als Schikane habe ich es jedenfalls nicht empfunden. Wir haben uns darüber unterhalten, ob schon Schiesserfahrung vorliegt, ob man bei einem Verein engagiert ist (auch im Hinblick auf Betreuung), ob man sich dem Waffengesetz bewusst ist und wie man die Aufbewahrung zu handhaben gedenkt.

Alle weiteren WES werden dann ohne Leumundsbreicht und Gespräch bearbeitet, der Strafregisterauszug ist aber immer beizulegen. Man braucht allerdings nicht für fünf WES auch fünf Auszüge, einer pro Antragsserie reicht aus, gemäss meiner Erfahrung.

7. Der WES (schonwieder)

Hat man dies alles hinter sich, bekommt man dann endlich den WES zugestellt. In drei Ausführungen: Eine Kopie für den Käufer, eine für den Verkäufer und eine für die Polizei. Und damit kann man dann zum Händler spatzieren, die gewünschte Waffe erwerben und Freude daran haben.

Was man natürlich nicht damit kann ist, mit der Waffe herumzulaufen. Dazu benötigt man einen Waffentragschein. Als Privatperson ist es aber, obwohl theoretisch möglich, praktisch ausgeschlossen, diesen zu bekommen.

Einen „Waffenschein“ in dem Sinne gibt es auch nicht: Entweder man meint den Waffenerwerbsschein oder den Waffentragschein. Ein nicht unerheblicher Unterschied.

Ja, aber wie kriege ich jetzt trotzdem meine schallgedämpfte Vollauto-AK?

Dazu, für Vollautomaten, Schalldämpfer und Laserzielgeräte, braucht es eine Kantonale Ausnahmebewilligung. Formulare dazu hält die Polizeibehörde bzw. das fedpol bereit. Ob man diesen Antrag dann bewilligt bekommt, damit habe ich keine Erfahrung. Von dem was ich gehört habe, wird das wiederum kantonal unterschiedlich gehandhabt – einige Kantone wenden das Gesetz an und bewilligen relativ einfach, andere scheinen sich sehr quer zu stellen. Generell ist aber davon auszugehen, dass man bereits etwas „bekannt“ sein muss, also schon einige WES bewilligt bekommen zu haben, bevor man eine Ausnahmebewilligung erhält. Auch ist diese dann an Kontrollbesuche gebunden, da für die Verwahrung dieser eigentlich verbotenen Waffen und -bestandteile spezielle Vorschriften gelten.

8. Armeewaffen

Die Sturmgewehre der Armee sind übrigens explizit davon ausgenommen, auch die auf Halbautomatik umgebauten ehemaligen Armeewaffen. Für eine Vollauto-Version des 57er oder 90er braucht es aber dennoch eine Ausnahmebewilligung, nur für die „zivilisierten“ Versionen nicht. Andere Vollautomaten, die umgebaut wurden, bedürfen aber einer Bewilligung.

A propos Militärsturmgewehre: Will ein Angehöriger der Armee sein Sturmgewehr behalten, so müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Mindestens sieben Jahre in der Armee eingeteilt gewesen
  • Innert drei Jahren vor dem Abgeben mindestens zweimal das Obligatorische sowie das Feldschiessen absolviert (nur für Stgw90, die Dienstpistole kann ohne Schiessnachweis übernommen werden) und im Militärischen Leistungsausweis eingetragen
  • Gültigen WES ans Abgeben mitnehmen (nachträglich geht nicht)
  • 100 CHF in bar bereit halten (bzw. 30 CHF für die Dienstpistole)

Manche Kantone bieten Merkblätter für die Entlassung aus der Militärdienstpflicht an (Schaffhausen nicht). Einfach googlen.

Links

Die Anlaufstelle überhaupt. Waffengesetz, Formularsammlung, Kontaktliste, etc. Alles was man braucht an einem Ort.

Das elektronische Polizeiportal einiger Kantone der Schweiz.

Das Konzept der suisseID, um unter Anderem den Strafregisterauszug bestellen zu können.


Informationen, wann wer aus der Armee entlassen wird. Für das definitive Datum bekommt man aber ein Aufgebot, daher sind diese Daten nur als Richtwert zu sehen.

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